Wieviel Kühe brauchen wir?

Dieser spannenden Frage ging Herr Josef Assheuer - Referent

für Ökonomie in der Milchviehhaltung -von der Landwirtschaftskammer

Nordrhein-Westfalen am 20.11.2018 nach. In Deutschland haben wir bei Milch einen Selbstversorgungsgrad von 120 %. Die Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung

wird durch aktuelle Rahmenbedingungen beeinflusst. In der Öffentlichkeit werden

Themen wie freier Markt, „Klimakiller Rind“, Massentierhaltung, Gülleimport

usw. groß diskutiert.

Ein weiteres großes Problem ist die sinkende Planungssicherheit. Wirft man einen Blick auf die Märkte, zeigt sich ganz klar, dass keine steigenden Preistendenzen für die Milch zu erwarten sind und die Linie am flachsten verläuft. Im Gegensatz dazu, steigen aber die Produktionskosten überproportional an --> die Kosten laufen davon --> Produktivität muss steigen, um die steigenden Kosten auffangen zu können.

Eine Auswertung aus NRW zeigt ganz klar, dass der Strukturwandel weiter voranschreitet. Die Anzahl der Betriebe nimmt stetig ab und die Wachstumsschwelle liegt bei > 100 Kühen. Damit verbunden steigen die

Durchschnittsbestände dramatisch an.

Bei den Rahmenbedingungen dürfen natürlich auch die gesetzlichen Vorschriften nicht vergessen werden wie z. B. Baurecht, CC-Kontrollen, JGS, BImSchG, usw.

Bei den BZA-Auswertungen erreichen die -25 % keine Kostendeckung, àVerluste. Demgegenüber werden bei den +25 % die Gewinne in bessere Produktion investiert àVorsprung weitet sich weiter aus.

 

Außerdem gibt es externe Einflüsse auf den vollkostendeckenden Verkaufsmilchpreis, die meist aufgrund des Standorts relativ fix sind, wie z. B. Besteuerung, Region, Pachtpreis und Molkerei. Hier liegen die Spannen von best und worst case zwischen ±1,3 – ±13,7 ct! Vergleicht man die DLG-Spitzenbetriebe ist der Gewinn im Süden am höchsten. Hintergrund sind die kleineren Betriebe, der hohe Eigenflächenanteil und die eigenen Arbeitskräfte, die nicht entlohnt werden. Besonders in Zeiten schlechter Milchpreise schneiden die Betriebe im Süden am besten ab. Entscheidend ist aber immer die Betrachtungsebene (DKFL, Vollkosten, Gewinn, kalk. BZE).

 

Zum Thema Wachstum ist das Fazit: Der technische Fortschritt bestimmt die Geschwindigkeit. In Bezug auf Ziele und Strategien stellt Herr Assheuer ganz deutlich heraus: „Wer sich auf die Hinterbeine stellt kann es schaffen sich an die Spitze zu kämpfen, wenn die Direktkosten gesenkt werden. Das betriebliche Verbesserungspotential und die notwendigen Stellschrauben werden durch die BZA ermittelt. Mit Hilfe dieser erfolgt auch das Controlling. Ganz wichtig ist aber auch, dass man sich auf einer guten Produktionstechnik nicht ausruhen darf, denn diese ist kein Garant für immer gute Leistungen --> man muss ständig dranbleiben!

 

Doch welchen Gewinn müssen wir eigentlich erwirtschaften? Gehen wir von Privatentnahmen in einer Größenordnung von 70.000 € und einer geforderten Eigenkapitalbildung von 30.000 € aus è 100.000 € Gewinnerwartung, die wir im Vollerwerbsbetrieb haben müssen. Auf dieser Grundlage kann errechnet werden, wieviel Kühe bei den unterschiedlichen Strategien notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen:

 

Verkaufsstrategie Umsatzmaximierung

à

105 Kühe

Kostenführer jeden € 2 mal umdrehen

à

83 Kühe

Allround alles im oberen Bereich machen

à

96 Kühe

Milchleistung

à

114 Kühe

Wachstum (hohe Pachtpreise, Stallbaukosten, Bestandaufstockung usw.)

à

171 Kühe

 

Es wird ganz klar, dass mit der Milchleistungsstrategie nicht automatisch eine hohe Wirtschaftlichkeit verbunden ist. Sieht man sich die realen Zahlen an, welche Betriebsgrößen die einzelnen Strategien in der Praxis aufweisen, stellt sich heraus, dass die Kostenführer 150 Kühe halten, um überhaupt die Kostenführerschaft erreichen zu können. Deshalb ist das langfristige Ziel: Mit Wachstumsstrategie zum Kostenführer! 

 

In wachsenden Beständen steigen die Anforderungen an das betriebliche Management enorm. Natürlich stellt sich aufgrund des Wachstums eine Kostendegression ein und der Aufwand pro Kuh geht zurück.

 

Nun stellt sich die Frage: „Was machen die guten Betriebe besser?“

Hier die BIG 5 ≙ Hebel mit dem größten Effekt

  • Bestandsgröße
  • Wachstum
  • Flächeneffizienz
  • Färsenaufzuchtkosten
  • Produktivität

Wie sieht die Zukunft der 51 – 100 Kühe Betriebe aus? Hier hat das erfolgreiche Viertel die Chance positive Einkünfte zu erzielen --> hierfür ist man dazu verdonnert überdurchschnittlich gut zu produzieren.

 

Im Hinblick auf die steigende Arbeitsbelastung drängt sich die Frage auf: „Wann lohnt es sich einen Mitarbeiter einzustellen?“

  • Geringe Produktivität ≙ 50 h/Kuh/Jahr --> Mitarbeiter trägt sich NICHT + Risiko kann nicht abgedeckt werden
  • Mittlere Produktivität ≙ 40 h/Kuh/Jahr --> jedes 2. Jahr bei guten Preisen lohnt sich der Mitarbeiter
  • Hohe Produktivität ≙ 30 h/Kuh/Jahr --> Mitarbeiter lohnt sich immer

Wägt man die Kriterien ab, gewinnt die Spezialisierung im Vergleich zur

Diversifizierung.

 

Ist Bio-Milch eine Alternative? Stellt man den Gewinnbeitrag  konventionell und Öko gegenüber, konnte in 5 von 8 Jahren Bio profitieren.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die jeweils gewählte Strategie

immer zu den Rahmenbedingungen, dem Betrieb und den Menschen passen muss. Wichtig ist immer erst inneres, dann äußeres Wachstum. Erst Analyse, dann

Planung und dann Umsetzung. Und ganz wichtig: Betrieblicher Erfolg steht immer

im Zusammenhang mit persönlichem Glück. Fazit: „Die Zukunft gehört nicht

den Großen, sondern den Schnellen!“